HINTERGRUND

 
   

Gemäß dem europäischen Assoziierungsabkommen muß Bulgarien seine wirtschaftliche Entwicklung auf dem Grundsatz der nachhaltigen Entwicklung aufbauen und dabei Umweltbelange in vollem Umfang berücksichtigen.

Die Richtlinie 98/83/EG des Rates vom 3. November 1998 über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch wurde in Bulgarien als "Verordnung Nr. 9 vom 16. März 2001 über die Qualität von Wasser für den menschlichen Gebrauch" (Vo Nr. 9) in nationales Recht umgesetzt. Zur vollständigen Übernahme des gemeinsamen Besitzstandes der EU im Umweltbereich ist die Übertragung des Acquis in einzelstaatliche Gesetze allein nicht ausreichend. Gleichzeitig müssen Verwaltungsstrukturen geschaffen werden, die die Durchsetzung des Besitzstandes tatsächlich ermöglichen und den Vollzug der Umweltgesetzgebung gewährleisten. Die Umsetzung der Richtlinie 98/83/EG bzw. der nationalen Trinkwasserverordnung in die Praxis stellt insbesondere hinsichtlich der geforderten chemischen und mikrobiologischen Trinkwasserqualität eine große Herausforderung dar.

 

In Bulgarien erfolgt die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser über Grundwasser sowie Oberflächenwasser. Aufgrund z.T. fehlender Vorsoge in den Einzugsgebieten der Wassergewinnung und resultierender trinkwasserhygienischer Probleme sind nach bulgarischer Trinkwasserverordnung (Vo Nr. 9) alle Wässer vor Einspreisung in das Versorgungsnetz zu desinfizieren. Die Desinfektion erfolgt i.d.R. mittels Chlorgas. Wird eine Überschreitung bakteriologischer Parameter festgestellt, wird i.a. die Chlordosis erhöht. Biologische (z.B. Enteisenung / Entmanga­nung), physikalische (z.B. Filtration) bzw. physiko-chemische Aufbereitungs­stufen (z.B. Fällung / Flockung) gibt es i.d.R. nicht. Ausgehend von diesen Rahmenbedingungen sind Grenzwertüberschreitungen bei den chemischen Parametern nicht auszuschließen. Rohwasserseitige Qualitätsprobleme betreffen nicht nur Oberflächengewässer, sondern auch Grundwässer und Uferfiltrate, die z.T. hohe Konzentrationen von Nitrat, Mangan und Schwermetallen beinhalten. Zudem können bisher unerkannte organische Umweltchemikalien z.B. Pestizide, PAKs etc. aus der Anwendung in der Landwirtschaft bzw. aus industriellen Altlasten bzw. sonstigen Verunreinigungen relativ ungehindert in Trinkwasserressourcen gelangen. Der inkonsistente Aufbau der chemischen Analytik bei der Überwachung der Trinkwasser­qualität unterstützt diesen Prozess, so dass gesundheitliche Schäden beim Konsumenten nicht überall auszuschließen sind.